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Das ProjektIn dem Projekt "Digitalisierung der Amtspresse Preußens" wird die auflagenstärkste und einflussreichste politische Presse des letzten Drittels im 19. Jahrhundert digitalisiert, für das Internet aufbereitet, mit einem ergänzenden Sachkommentar versehen und indiziert. Gegenstand sind die preußische PROVINZIAL-CORRESPONDENZ (PC) (1863-1884), und ihr Quasi-Nachfolger, die NEUESTE MITTHEILUNGEN (NM) (1882-1894).Die Digitalisierung erschließt der Forschung eine zentrale Quelle der politischen und sozialen Kommunikation und hilft zugleich, Defizite und Desiderate in den historisch-politischen, kommunikationshistorischen, aber auch in der politologischen und soziologischen Forschung zu beheben. PC und NM waren zentrale Korrespondenzen, die in Berlin in Verbindung mit dem preußischen Staatsministerium und Innenministerium herausgegeben wurden. Beide spielten eine herausragende publizistische Rolle. Über PC und NM lässt sich ein unmittelbarer Zugang zu der gesamten offiziösen Presse gewinnen. Insbesondere die PC wurde weit über Preußen hinaus im Reich und im europäischen Ausland wahrgenommen. Die von den Korrespondenzen inspirierte und gesteuerte Presse erreichte zeitweilig ein Fünftel bis ein Viertel der Gesamtauflage der damaligen Tagespresse. Die Bedeutung der konservativen ›Provinzial-Correspondenz‹ ist in Umrissen bekannt. Sie war die größte Wochenzeitung ihrer Zeit (bis über 150.000 Auflage) und wurde so regelmäßig von der parteipolitischen Konkurrenz zitiert, dass sie jeden citation index der Blätter der 1860er-1880er Jahre anführen würde; sie galt als Stimme ihres Herrn, des preußischen Ministerpräsidenten und Reichskanzlers Otto von Bismarck; sie war agenturähnliche Korrespondenz, amtliches Anzeige-, Publikations- und Dokumentationsorgan und wöchentliche Beilage der Kreisblätter. Die PC wurde in der Zeit des preußischen Heereskonflikts gegründet und sollte - modern gesprochen - positive Öffentlichkeitsarbeit für die preußische Regierung betreiben. Als sie sich verbraucht hatte, wurde sie 1884 eingestellt. Schon zwei Jahre zuvor waren die unauffälligen ›Neueste Mittheilungen‹ gegründet worden, auch sie in einer innenpolitischen Krisensituation - nach der erdrutschartigen Wahlniederlage der Konservativen in der Reichstagswahl 1881. Die NM wurden aus dem Bismarckschen Geheimfonds, dem sogenannten "Reptilienfonds" finanziert; sie standen im Zentrum der konspirativen "neuen Presseorganisation". Das Ziel war das gleiche wie bei der PC: es sollte auf dem Lande eine der Regierung günstige Stimmung erzeugt werden. Die Art der Propaganda bzw. Öffentlichkeitsarbeit, die mit beiden Korrespondenzen betrieben wurde, unterschied sich allerdings deutlich: In der PC wurde offen die Partei Bismarcks ergriffen und jedem interessierten Zeitgenossen war die Zusammenarbeit mit der preußischen Regierung bekannt; die PC verfolgte also ein Konzept der weißen Propaganda. Bei den NM war Finanzierung und Organisation jedoch verschleiert; mit ihr wurde unausgesprochen graue Propaganda betrieben. Verbreitungsinstrument war in beiden Fällen die konservative, ländliche Kreisblatt-Presse. Diese Blätter hatten in den 1870er Jahren noch überwiegend eine Auflage von unter 2.000 und später selten über 5.000. Kumuliert dürften sie jedoch ein Fünftel bis ein Viertel der Gesamtauflage der damaligen preußischen Tagespresse erreicht haben. |
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Letzte Änderung: 27.07.2006 3pc
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